Ein kurzsichtiger Mensch sieht im kurzen Bereich gut, er ist kurzsichtig. Für die Ferne braucht er eine Brille oder Kontaktlinse um besser zu sehen. Kurzsichtige Augen sind relativ zu lang, dadurch kommt es zu einer Abbildung des von der Hornhaut und Linse projezierten Bildes vor der Netzhaut. Das menschliche Auge ist bei einem Erwachsenen im Durchschnitt etwa 23 Millimeter lang. Jedes Millimeter zusätzliche Länge muss mit etwa 3 Dioptrien Minuslinse korrigiert werden. Kurzsichtige Augen sind in der Regel gesund, sie sind lediglich zu lange gewachsen. Bei Neugeborenen ist der Augapfel etwa 18 Millimeter lang, die Augen wachsen also während der Kindheit und Adoleszenz um etwa 5 Millimeter. Dieses Längenwachstum hängt zeitlich mit dem Körperwachstum zusammen. Das bedeutet, dass der Beginn einer Kurzsichtigkeit häufig in die Pubertät fällt. Danach kann es über mehrere Jahre hinweg zu einer Zunahme der Kurzsichtigkeit kommen. Das Längenwachstum der Augen ist mit etwa 25 Jahren abgeschlossen. Danach kommt es nur noch in seltenen Fällen zu kleinen Änderungen. Ist ein Kind kurzsichtig geworden, wird es auch kurzsichtig bleiben – die Kurzsichtigkeit „wächst sich nicht aus“.
Epidemiologische Studien zeigen, dass die Kurzsichtigkeit ein zunehmendes Gesundheitsproblem darstellt.
Es gibt eine ganze Reihe von epidemiologischen Hinweisen, dass Umweltfaktoren die Entwicklung der Myopie beeinflussen können. In Populationen mit einer geringen genetischen Heterogenität zeigte sich eine dramatische Zunahme der Häufigkeit der Kurzsichtigkeit mit der Einführung von Schulen beziehungsweise der Lesefähigkeit innerhalb einer Generation. So fand sich im Rahmen der Missionierung von Indianerstämmen in Südamerika im vorletzten Jahrhundert, dass mit der Lesefähigkeit die Kinder plötzlich kurzsichtig wurden, während die Kurzsichtigkeit in der Elterngeneration nicht bekannt war. Kinder, welche auf dem Land aufwachsen, zeigen eine geringere Wahrscheinlichkeit kurzsichtig zu werden, als Kinder die in der Stadt aufwachsen. Kinder in Ganztagsschulen werden eher kurzsichtig, als Kinder im Halbtagsunterricht. Etwa 50% der Erwachsenen mit einem Studienabschluss sind kurzsichtig (10% der nicht-akademischen Bevölkerung).
Die Kurzsichtigkeit ist also möglicherweise eine Anpassung der Augen an vermehrte Naharbeit mit dem Ziel, die Qualität des Netzhautbildes bei Naharbeiten zu verbessern. Das kann aber nur auf Kosten der Abbildungsqualität beim Blick in die Ferne geschehen.
Zusätzlich zu diesen Umweltfaktoren spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Kurzsichtigkeit.
Die Häufigkeit der Kurzsichtigkeit liegt bei etwa 10% - jeder zehnte Erwachsene ist kurzsichtig. Wenn ein Elternteil kurzsichtig ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind kurzsichtig wird bei 30%, wenn beide Eltern kurzsichtig sind, liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind kurzsichtig zu werden bei etwas über 50%. Die Kurzsichtigkeit kann mit Brille oder Kontaktlinse gut versorgt werden.
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