Ein weitsichtiges Auge ist relativ zu kurz. Das von der Hornhaut und der Linse projezierte Bild wird hinter der Netzhaut abgebildet. Alle Kinderaugen sind idealerweise weitsichtig, da die Kinderaugen während der Kindheit und Adoleszenz in die Länge wachsen, wächst sich die Weitsichtigkeit aus. Die allermeisten Kinder können ihre Weitsichtigkeit mit einem Trick selber korrigieren, indem sie schon beim Blick in die Ferne akkommodieren (ihre Linse schon beim Blick in die Ferne so einstellen als ob sie lesen). Wenn die Kinder schon beim Blick in die Ferne eine Naheinstellung machen, müssen sie sich beim Lesen noch mehr anstrengen. Dies funktioniert in der Regel beschwerdefrei. Manchmal kann diese intensivere Verwendung des Naheinstellungssystems aber zu Kopfschmerzen im Stirnbereich führen. Diese Kopfschmerzen werden als astenopische Beschwerden bezeichnet. In solchen Fällen profitiert das Kind von einer Brille, die es vor allem bei Naharbeiten verwendet. Eine solche Brille wird sich aus oben genannten Gründen „auswachsen“, das heisst nach einigen Jahren wird sie nicht mehr nötig sein. Wenn aber die Weitsichtigkeit mehr als 4.0 Dioptrien beträgt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Brillenstärke im Wesentlichen ein Leben lang so bleiben wird. Es wird angenommen, dass ab etwa 4.0 Dioptrien die Rückkoppelungsschleifen für das Längenwachstum des Auges nicht mehr greifen. Diese Rückkoppelungsschleifen, welche noch nicht genau verstanden werden, prüfen während des Wachstums ständig ob das Auge schon lange genug ist, oder ob es noch wachsen muss.

Manche Menschen können ihre Weitsichtigkeit bis ins dritte Lebensjahrzehnt mühelos ausgleichen, und klagen erst dann über Stirnkopfschmerzen, welche aber mit dem Tragen einer Brille sofort verschwinden.