Fernbrille

Eine Fernbrille ermöglicht ein scharfes Sehen für die Ferne. Die zwei Gläser der Brille korrigieren ein so genanntes Refraktionsdefizit: eine Kurz- oder Weitsichtigkeit, oder einen Astigmatismus. Die Stärke des Brillenglases wird in Dioptrien angeben. Als Dioptrie wird der Kehrwert des Brennpunkts einer Linse bezeichnet. Eine Linse mit einem Brennpunkt in ½ Meter hat also eine Stärke von 2 Dioptrien, wenn der Brennpunkt in 1/3 Meter liegt: 3 Dioptrien.

Nahbrille

Eine Nahbrille ermöglicht ein scharfes Sehen in der Nähe. Eine Nahbrille, oder Lesebrille wird ab dem vierten Lebensjahrzehnt nötig. Die eigene Linse verliert im Laufe des Lebens zunehmend an Elastizität, sodass das Fokussieren in die Nähe nicht mehr funktioniert. Man muss die Dinge weiter vom Auge entfernt halten, um sie scharf zu sehen „die Arme werden zu kurz“. Wenn eine Lesebrille angepasst wird, kann ein eventuell vorhandener Astigmatismus gleich mit korrigiert werden.

Fertiglesebrillen

Eine Sonderform der Lesebrillen sind die nahezu überall erhältlichen Fertigbrillen mit unterschiedlichen Stärken (1 Dioptrie, 2 Dioptrien, etc.). Diese Brillen sind natürlich wesentlich billiger, als individuell angepasste Brillen. Die Fertigbrillen verursachen zwar keinen Schaden, sie sind allerdings weniger komfortabel, als individuell angepasste Brillen.

Was ist der Unterschied?

1. Produktion. Die Gläser der Fertigbrillen werden nicht geschliffen, sondern gepresst oder gegossen. Dadurch ist die Abbildungsqualität eingeschränkt, da die Oberfläche nicht so ebenmässig ist, wie bei geschliffenen Gläsern. Die Gläser haben keine Entspiegelungsschicht, was zu unangenehmen Reflexionen führen kann.

2. Anpassung. Jedes Brillenglas hat einen optischen Mittelpunkt. Wenn dieser optische Mittelpunkt nicht über der Pupille liegt, muss man „wie ums Eck“ schauen: es kann einem Übel oder schwindelig werden und die Augen ermüden schneller. Die Fertigbrillen haben natürlich keinen individuellen Schliff. Oft besteht ein Unterschied in der Brillenstärke zwischen beiden Augen und bei jedem dritten sieht man einen Astigmatismus. Wenn also viel gelesen wird, ist die Anpassung einer individuellen Lesebrille kein Luxus. Wenn die Brille nur zum Lesen der Speisekarte gebraucht wird, reicht auch eine Fertigbrille.

Der Gebrauch einer Fertigbrille schadet den Augen nicht, allerdings kann es zu Komfortproblemen wie unscharfem Sehen, rascheren Ermüden der Augen und auch zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen.

Arbeitsplatzbrille

Eine Arbeitsplatzbrille wird auch als Officebrille, Computerbrille oder erweiterte Lesebrille bezeichnet.

Der Brennpunkt einer einfachen Lesebrille liegt zwischen 30 und 40 Zentimetern, das ist der Abstand in dem die Zeitung gehalten wird. Ein Computerbildschirm befindet sich aber in einem Abstand von etwa 70 bis 80 Zentimetern vom Betrachter entfernt. Mit einer einfachen Lesebrille würde der Bildschirm verschwommen gesehen werden. Deshalb wird bei einer Arbeitsplatzbrille der obere Teil der Gläser abgeschwächt, damit auch der Computerbildschirm noch scharf gesehen werden kann. Mit einer Arbeitsplatzbrille kann man aber nicht Auto fahren, das Sehen in die Ferne wäre verschwommen.

Gleitsichtbrille

Eine Gleitsichtbrille zeigt einen gleitenden Übergang von einem oberen Fern- in einen unteren Nahteil. Da die Firma Essilor als einer der ersten Hersteller ein Gleitsichtglas mit dem Namen Varilux auf den Markt gebracht hat, wird das Wort Varilux oft synonym für Gleitsichtbrille verwendet. Eine Gleitsichtbrille wird nötig, wenn sich bei einem Brillenträger die Alterssichtigkeit einstellt. Dann braucht er neben dem Fernteil in seiner Brille auch einen Nahteil.

Das Tragen einer Gleitsichtbrille ist gewöhnungsbedürftig. Wenn oben ein Fern- und unten ein Nahteil ist, muss man den Kopf nach unten neigen um den Boden scharf zu sehen. Insbesondere beim Abwärtslaufen auf einer Stiege oder beim Radfahren bereitet das Mühen. Beim Blick zur Seite kommt es zu Verzerrungen, was beim Blick in den Rückspiegel Schwierigkeiten bereitet. Oft sehen wir, dass von einigen Optikern schon sehr früh eine Gleitsichtbrille angepasst wird mit dem Argument, dass man sich dann besser daran gewöhnt. Dies entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Man gewöhnt sich an diese Brillen, wenn man sie wirklich braucht. Deshalb empfehlen wir die Anpassung einer Gleitsichtbrille so spät wie möglich.

Bifokalbrille

Eine Bifokalbrille ist eine Fernbrille, bei der im unteren Bereich in Form eines kleinen Fensterchens ein Leseteil eingeschliffen wird. Die Abbildungsqualität dieser Brillen ist ausgezeichnet. Der Grund, warum diese Brillen selten angepasst werden, ist die Ästhetik. Früher gab es noch keine Gleitsichtbrillen, die älteren Herrschaften konnten ihre Fehlsichtigkeit nur mit Bifokalbrillen korrigieren. Deshalb wird mit diesen Brillen immer ein fortgeschrittenes Lebensalter assoziiert. In der Augenwerk Optik wird ein Trick eingesetzt, um diese Assoziation zu umgehen. Manche Berufsgruppen haben mit Gleitsichtbrillen grosse Schwierigkeiten. Architekten beispielsweise bemerken beim Betrachten von grösseren Plänen, dass gerade Linien gekrümmt wahrgenommen werden. Für solche Personen können passende Gläser geschliffen werden, ohne auf die Ästhetik zu verzichten. In der Augenwerk Optik wird der Leseteil nicht als kleines Fensterchen eingeschliffen, sondern der gesamte untere Lesebereich wird durch eine horizontale Linie vom oberen Fernteil getrennt. Dadurch werden Verzerrungen vermieden. Da ein derartiger Schliff des Glases kaum bekannt ist, gibt es hier auch keine negativen Assoziationen.



Kontaktlinsen stellen eine sehr elegante Möglichkeit dar, eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren. Heutzutage können auch die extremsten Fehlsichtigkeiten mit Kontaktlinsen versorgt werden. Das Lebensalter, ab welchem mit dem Tragen einer Kontaktlinse begonnen werden kann, wird im Wesentlichen durch das Hygieneverständnis bestimmt. Sobald man sich darauf verlassen kann, dass ein Kind sich die Hände wäscht, bevor es die Linsen angreift, und die Kontaktlinsenbehälter sauber hält, kann mit dem Tragen von Kontaktlinsen begonnen werden. In Sonderfällen können auch schon bei Kleinkindern Kontaktlinsen angepasst werden.

Eine Kontaktlinse verursacht aber immer einen Sauerstoffmangel der Augenoberfläche. Deshalb ist der Standard auch bei einem Kontaktlinsenträger immer die Brille. Als Faustregel gilt, dass das Auge mindestens zwei Wachstunden/Tag ohne Linse sein soll, damit es „lüften“ kann.

Die Augenoberfläche wird durch den Sauerstoff aus der Umgebungsluft mit Sauerstoff versorgt. Wenn die Augen in der Nacht geschlossen sind, kommt es immer zu einem leichten Sauerstoffmangel. Wenn nun die Linsen vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen getragen werden, erleidet das Auge 24 Stunden/Tag eine Sauerstoffmangel. Dadurch wird die Barrierefunktion der Augenoberfläche gestört, das Infektionsrisiko steigt.

Die Hauptsauerstoffversorgung der Augenoberfläche während des Linsentragens geschieht nicht durch das Linsenmaterial, sondern durch die Beweglichkeit der Linse auf dem Auge. Über 90% der Sauerstoffversorgung kommt daher, dass durch die Bewegung der Linse andauernd Sauerstoffreiche Tränenflüssigkeit zwischen Linse und Auge gepumpt wird. Deshalb ist der Tränenfilm der entscheidende Faktor für die Verträglichkeit einer Linse. Gerade in den letzten Jahren haben so genannte Silikon-Hydrogel Linsen den Weichlinsenmarkt erobert. Diese Linsen zeigen eine hervorragende Sauerstoffdurchlässigkeit im Labor und dennoch gibt es immer wieder Kontaktlinsenkunden, welche nach Umstellung von Hydrogel- auf Silikonhydrogel eine Unverträglichkeit beklagen. Die Sauerstoffdurchlässigkeit einer Linse wird durch deren Wassergehalt bestimmt: je höher der Wassergehalt, desto höher die Sauerstoffdurchlässigkeit. Je poröser das Linsenmaterial, desto höher der Wassergehalt. Allerdings besteht hier eine physikalische Grenze: je poröser das Material, desto rissiger wird es. Dies war der Grund, weshalb in die herkömmlichen Hydrogele Silikon hineingemischt wurde. Das Silikon stabilisiert die porösen Hydrogele. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Silikon-Hydrogele nicht mehr so gut auf dem Auge gleiten, wie die herkömmlichen Hydrogele. Dies ist die Erklärung, dass die Silikon-Hydrogele im Labor zwar eine ausgezeichnete Sauerstoffdurchlässigkeit zeigen, im Alltag aber in manchen Fällen den älteren Materialien unterlegen sind.

Harte Kontaktlinsen

Die ersten auf dem Markt erhältlichen Kontaktlinsen waren harte (formstabile) Linsen. Eine weitere Bezeichnung, welche heute immer noch zu hören ist: halbharte Linsen. Halbharte Linsen sind ganz normale formstabile Linsen. Auch heute noch werden harte Kontaktlinsen routinemässig verwendet. Die harte Kontaktlinse ist eine “ehrliche“ Linse. Man spürt sofort wenn etwas nicht in Ordnung ist, und entfernt die Linse vom Auge. Ausserdem verursacht eine harte Kontaktlinse nahezu niemals einen Sauerstoffmangel. Durch ihren kleineren Durchmesser bewegt sich die harte Kontaktlinse wesentlich mehr auf dem Auge als eine weiche Kontaktlinse. Da die Hauptsauerstoffversorgung der Augenoberfläche während des Linsentragens durch die Beweglichkeit der Linse vermittelt wird, ist die Sauerstoffversorgung unter der harten Kontaktlinse besser als unter einer weichen Kontaktlinse.

Der Grund, warum heute aber zum grösseren Teil weiche Linsen angepasst werden, ist die Spontanverträglichkeit. Eine harte Kontaktlinse verursacht über viele Tage hinweg ein Fremdkörpergefühl, man muss sich langsam daran gewöhnen. Eine weiche Linse hingegen wird auf das Auge gesetzt, man blinzelt einige Male und schon stört sie nicht mehr. Ein weiterer Nachteil der harten Linse ist der höhere Anpassungs- und Anschaffungspreis. Ausserdem fällt sie beim Sport schneller vom Auge ab.

Weiche Kontaktlinsen

Weiche Kontaktlinsen sind wie der Name schon sagt weich. Diese Linsen werden aus Hydrogelen hergestellt (poröse, flexible Kunststoffe). Die weichen Linsen halten heute den weitaus grössten Marktanteil. Der Grund: die Spontanverträglichkeit dieser Linsen ist extrem gut. Man setzt die Linsen auf das Auge und verträgt sie. Da die Herstellung der weichen Kontaktlinsen grossindustriell erfolgen kann, sind diese Linsen auch bedeutend günstiger als harte Kontaktlinsen.

Je nach Tragedauer werden diese Linsen als Tages-, 2-Wochen-, Monats- oder Jahreslinsen bezeichnet. Jahreslinsen sollten heute nur noch in Spezialsituationen verwendet werden, wenn keine andere Linse zur Verfügung steht (zum Beispiel bei extremen Fehlsichtigkeiten). Ob man sich für eine Tages- oder Monatslinse entscheidet hängt vom Verwendungszweck ab. Wenn die Linse nur zwei- bis dreimal pro Woche verwendet wird, empfiehlt sich eine Tageslinse, bei häufigerer Verwendung der Linse eher eine Monatslinse. Der Unterschied liegt im Preis. Ein Paar Tageslinsen kostet etwa 3 SFR (2 €). Wenn die Tageslinse täglich getragen wird, betragen die Kosten über 1000 SFR pro Jahr. Eine Monatslinse hingegen kostet etwa 520 €/Jahr (24 Linsen inklusive Pflegemittel). Von der Verträglichkeit her finden sich keine Unterschiede zwischen Tages- und Monatslinsen.

Multifokallinsen

Herkömmliche Linsen ermöglichen ein scharfes Sehen in die Ferne. Mit beginnender Alterssichtigkeit ab dem 4. Lebensjahrzehnt, fällt aber das Scharfeinstellen im Nahbereich immer schwerer. Die Linsenträger müssen die Dinge weiter vom Auge entfernt halten um scharf zu sehen. Eine Möglichkeit diese Einschränkung zu beheben, ist das Tragen einer Lesebrille über der Kontaktlinse. Da man sich aber für das Tragen einer Kontaktlinse gerade deswegen entschieden hat, damit man keine Brille tragen muss, ist diese Lösung für viele Linsenträger nicht attraktiv. Eine Lösung für diese Situation stellen multifokale Kontaktlinsen (Multifokallinsen) dar. Diese Linsen haben nicht nur einen Brennpunkt in der Ferne, sondern auch noch mehrere Brennpunkte im näheren Bereich. Prinzipiell klingt dies ja sehr elegant. Allerdings wird diese Fähigkeit mit einem weniger eleganten Trick erreicht: in der relativ kleinen Linse werden Nähe und Ferne simultan ausgeglichen. Das bedeutet beim Blick in die Ferne sieht man auch durch den Nahteil und beim Blick in die Nähe auch durch den Fernteil. Dies resultiert in einem eingeschränkten Kontrastsehen.

Wenn jemand schon über viele Jahre Kontaktlinsen trägt und dann auf diese Multifokallinsen umsteigt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er mit diesen Linsen zurecht kommt bei etwa 50%.

Monovision-Anpassung

Herkömmliche Linsen ermöglichen ein scharfes Sehen in die Ferne. Mit beginnender Alterssichtigkeit ab dem 4. Lebensjahrzehnt, fällt aber das Scharfeinstellen im Nahbereich immer schwerer. Wenn wie oben beschrieben das Tragen einer Multifokallinse nicht vertragen wird, könnte eine Lösung für diese Situation in einer Monovision-Anpassung gefunden werden.

Jeder Mensch hat ein sogenanntes Führungsauge – das Auge mit dem man lieber schaut, auch wenn die Sehkraft auf beiden Augen gleich gut ist. Bei einer Monovisionanpassung wird nun das Führungsauge mit einer normalen Kontaktlinse wie gewohnt auf die Ferne, das zweite Auge aber für die Nähe eingestellt. Monovision: ein Auge für die Ferne, ein Auge für die Nähe. Auch bei dieser Anpassung ist, wie bei der Anpassung einer Multifokallinse der Erfolg nicht garantiert, wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass die Monovisionanpassung verträglicher ist als das Tragen von Multifokallinsen.

Nachtlinsen (Ortho-K-Linsen)

Nachtlinsen stellen eine Sonderform von harten Kontaktlinsen dar. Diese Linsen werden auch als Ortho-K – Linsen bezeichnet.

Bei der Orthokeratometrie macht man sich einen Effekt zu nutze, der schon seit über 30 Jahren, seit den Anfängen der Kontaktlinsenanpassung bekannt ist. Damals schon hat man erkannt, dass eine falsch angepasste Linse die Augenoberfläche derart deformieren kann, dass daraus vorübergehend eine andere Brillenstärke resultiert. Dieser Effekt ist aber nicht bei allen Menschen gleich. Bei etwa der Hälfte der Menschen, welche derartige Linsen probieren, bleibt die gequetschte Hornhaut nur wenige Stunden in dem von den Ortho-K-Anpassern gewünschten Zustand. Das bedeutet, dass von vornherein die Hälfte aller interessierten Kunden nicht für diese Anpassung geeignet ist. Zusätzlich ist diese Technik nur bei einer Kurzsichtigkeit von höchstens 3.0 Dioptrien einsetzbar und die Anpassung ist aufwändig: oft muss über Wochen hinweg dass Auge durch immer stärker quetschende Linsen an die endgültigen Linsen herangeführt werden. Das wichtigste aber: die Anpassung einer Ortho-K Linse ist nicht ungefährlich.

Die harten Linsen quetschen die Hornhaut in der optischen Mitte, dadurch kommt es zu einer Ausdünnung der oberflächlichsten Schicht der Hornhaut – des Epithels. Dies wiederum kann zu Entzündungen und Vernarbungen führen. In der Abbildung ist die vernarbte Hornhaut eines 13-jährigen Mädchens nach Tragen einer Ortho-K-Linse erkennbar.