
- Illustration: Prof. Peter Kaiser, York University
Nehmen Sie zwei Stückchen Papier und platzieren sie die Kanten so nah wie möglich an beide Seiten der roten Diagonale. Beachten Sie, dass das rote Viereck in der Mitte dieselbe Farbe hat, wie die anderen Vierecke. Verschieben Sie nun Ihre Papierblätter so, dass Sie die roten Vierecke in der anderen Diagonale sehen. Auch in dieser Diagonale habe wieder alle Vierecke, inklusive dem mittigen die gleiche rote Farbe. Weil das mittige Viereck ein Teil beider Diagonalen ist, beweist dieses Experiment, dass alle roten Vierecke in beiden Diagonalen dieselbe Farbe haben. Und dennoch, wenn das Muster als ganzes betrachtet wird, erscheinen die zwei roten Diagonalen in unterschiedlicher Farbe. Dies ist ein Beispiel für Farbassimilation oder „spreading“. Die blauen beziehungsweise gelben Flächen, welche an die roten Vierecke grenzen, beeinflussen die Erscheinung der roten Vierecke. Die gelbe Farbe lässt das Rot heller, die blaue Farbe lässt das Rot dunkler erscheinen. Das kommt daher, dass die blaue Farbe deutlich dunkler ist, als die gelbe Farbe. Ausserdem bemerken Sie eventuell, dass die gelbe Farbe eine leichte gelbliche Tönung der roten Vierecke und die blaue Farbe eine leicht bläuliche Tönung der roten Vierecke hervorruft, so als ob es zu einer Vermischung der Farben kommt. Dieses Phänomen ist das Gegenteil vom Kontrasteffekt, bei dem man vermuten würde, dass nahe beieinander liegende Farben die Differenz zwischen den unterschiedlichen Flächen verstärkt. Hurvich und Jameson glauben, dass die physiologische Basis für das Phänomen der Farbassimilation in der räumlichen Verteilung und Organisation der Nervenzellen der Netzhaut liegt. (COLOR VISION, Leo M. Hurvich, Sinauer Assoc. Inc. Publisher, 1981).
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