Illustration: Prof. Peter Kaiser, York University

 

Dieses Experiment funktioniert besser, wenn Sie ein Auge zuhalten. Schauen Sie auf den schwarzen Punkt im Zentrum des rechten Kreises für 10 bis 15 Sekunden. Achten Sie darauf, was Sie sehen. Dann machen Sie das gleiche mit dem linken Kreis. Bemerken Sie einen Unterschied? Die meisten Leute bemerken, dass der graue Kreis verschwindet, wenn sie auf den schwarzen Punkt in der Mitte des linken Kreises starren, während der Kreis auf der rechten Seite nicht verschwindet, wenn sie auf den schwarzen Punkt in der Mitte schauen.

 

Unser sensorisches System möchte keine gleich bleibende Stimulation. Wenn Sie sich beispielsweise in eine Badewanne mit warmem Wasser legen, fühlen Sie zunächst das Wasser am ganzen Körper. Nach wenigen Minuten fühlen sie das Wasser nur noch am Übergang von der Luft zum Wasser. In diesem Sinne mag auch das visuelle System keine gleich bleibenden Stimuli.

Es gibt ein sehr ausgetüfteltes System in Ihrem Sehapparat, das Bildstabilisierungssystem. Dieses erlaubt es Ihnen, die natürlichen Augenbewegungen (beispielsweise beim Gehen) so auszugleichen, dass ein Bild, das Sie betrachten an exakt derselben Stelle auf der Netzhaut bleibt.

Beim Blick auf den linken Kreis wird wegen des gleichmässigen Übergangs von Grau zu Weiss das „Steady state“ für eine Bildstabilisierung nicht erreicht – der Stimulus reicht nicht aus – das Bild verschwindet. Wenn Sie Ihre Augen aber frei über den linken Kreis wandern lassen bleibt das Bild erhalten. Der Kreis auf der rechten Seite entspricht exakt dem linken Ring, nur dass hier noch ein zusätzlicher grauer Ring zu sehen ist. Dieser äussere Ring reicht aus, um den Stimulus aufrecht zu erhalten. Der Ring verschwindet nicht.