Das Wort „Star“ kommt aus dem mittelhochdeutschen und bedeutet „starrer Blick“. Der Graue Star wird auch als „Katarakt“ bezeichnet. Dieser Begriff kommt von der Bezeichnung der Stromschnellen im Nil, an denen das Wasser durch das Aufschäumen undurchsichtig und weiss wird.
Der Graue Star ist eine normale Altersveränderung, welche jeden Menschen ab dem 70. Lebensjahr betrifft. Er kann jedoch auch angeboren sein, oder im jüngeren Erwachsenenalter z.B. durch Entzündungen, Verletzungen oder Stoffwechselstörungen eintreten.
Beim Grauen Star handelt es sich um eine Trübung der Linse im Auge. Hier muss man sich zunächst Fragen warum die Linse überhaupt durchsichtig ist. Dies kommt daher, dass die formgebenden Strukturen der Linse das Licht durch das optische Prinzip der Vorwärtsbeugung durchlassen. Im Alter kommt es zu einer Denaturierung des Linseneiweiss – die Moleküle verändern ihre Struktur. Dadurch ändert sich die optische Qualität – die Linse verliert ihre Durchsichtigkeit, sie wird trüb. Diese Änderung ist vergleichbar mit der Zubereitung eines Spiegeleis: in der Luft ist das Eiklar noch durchsichtig, trifft es auf die heisse Pfanne, wird es undurchsichtig – weiss. Das Eiweiss ist zwar noch dasselbe, durch die Hitze ändert es aber seine Eigenschaften. Bei der Linse kommt es im Laufe des Lebens durch oxidative Prozesse zu den Änderungen der Durchsichtigkeit. Meist dauert es viele Jahre, bis die Linse so stark getrübt ist, dass die Sehkraft eingeschränkt, und eine Operation erforderlich wird. Manchmal geschieht diese Trübung aber auch innerhalb weniger Monate.
Beginnende Trübungen bewirken zunächst eine zunehmende Licht- und Blendungsempfindlichkeit, ein vermindertes Kontrastsehen, eine geänderte Farbwahrnehmung, sowie eine Verschlechterung des Nachtsehvermögens, was besonders für Autofahrer gefährlich werden kann. Man kann sich das vorstellen wie ein Glas Kalkwasser: bei günstigen Lichtverhältnissen ist die Flüssigkeit noch relativ gut durchsichtig, leuchtet man mit einer Taschenlampe in das Glas, kann man nicht mehr durchschauen, weil sich das Licht in den Trübungen streut. Bei fortgeschrittenen Linsentrübungen tritt eine zunehmende Herabsetzung der Sehschärfe ein.
Es gibt eine (und nur eine) wirksame Möglichkeit den Grauen Star zu behandeln: die Staroperation (Katarakt-Operation). Da es sich beim Grauen Star um eine Altersveränderung handelt, ist die Staroperation überhaupt die häufigste Operation beim Menschen. Jahr für Jahr werden in beispielsweise in Deutschland etwa 600.000 Operationen wegen eines Grauen Stars vorgenommen.
Es ist derzeit eine Reihe von Mittelchen und Tröpfchen auf dem Markt, welche eine Verzögerung oder Verhinderung des Grauen Stars versprechen. Diese Tröpfchen sind allesamt ohne nachweislichen Nutzen. Wir raten von der Verwendung dieser Tröpfchen ab, da diese Tröpfchen einerseits nichts bringen, andererseits die Bindehaut des Auges unnötig mit Konservierungsmitteln belasten.
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