Bei der Grauen Star Operation wird die trübe Linse aus dem Auge entfernt, und eine Kunstlinse ins Auge eingesetzt. Diese Kunstlinsen werden als Intraokularlinsen (intraokular: im Auge) bezeichnet

Es stehen uns grundsätzlich drei Arten von Kunststofflinsenmaterialien zur Verfügung (PMMA, Silikon, Acryl). Die Linsen bestehen aus einer optischen Zone mit einem Durchmesser von etwa sechs Millimetern und einer so genannten Haptik, einem Mechanismus, mit dem die Linsen im Auge befestigt werden können.

Heute können praktisch alle Patienten mit Intraokularlinsen versorgt werden und vertragen sie lebenslang. Sie müssen nicht einheilen wie andere Körperimplantate (zum Beispiel Hüftprothesen) und müssen auch nicht wegen Verschleisses später ausgetauscht werden. Deshalb kann man auch die Graue Star Operation als einzige Operation bezeichnen, in der es zu einer uneingeschränkten „restitutio ad integrum“ kommt: ein uneingeschränktes Funktionieren des Organs. Es funktioniert nach der Operation sogar noch besser als vorher, weil Sehfehler des Auges gleich mit korrigiert werden.

PMMA Linsen (Polymethylmetacrylat)

Diese Linsen waren in den 1980er Jahren die ersten und einzigen Linsen, welche uns für die Implantation in die Augen zur Verfügung standen. Es handelt sich dabei um einen festen Kunststoff. Da diese Linsen nicht faltbar sind, muss für die Implantation dieser Linsen das Auge über mindestens 6 Millimeter eröffnet werden. Damit kann es zu unerwünschten Wirkungen wie Hornhautverkrümmungen kommen. Diese Linsen werden von uns nur in Ausnahmefällen eingesetzt, wenn beispielsweise die Implantation einer anderen Linse aus technischen Gründen nicht möglich ist.

Silikonlinsen

Silikonlinsen bestehen aus einem faltbaren Kunststoff auf Silikonbasis und waren die ersten auf dem Markt erhältlichen faltbaren Linsen, welche immer noch routinemässig verwendet werden. Der grosse Vorteil einer faltbaren Linse: durch das Falten kann die Linse über einen kleinen Schnitt in das Auge eingeführt werden, die Linse entfaltet sich im Auge wieder in die gewünschte Form.

Acryllinsen

In der Augenklinik Prof. Reis werden hauptsächlich hydrophile Acryllinsen eingesetzt. Diese Linsen lassen sich sehr gut falten und überzeugen durch eine sehr gute optische Qualität.

Vorder- oder Hinterkammerlinsen

Bei der Grauen Star Operation wird die eigene eingetrübte Linse entfernt und eine Kunststofflinse eingesetzt. Idealerweise wird die neue Linse in derselben Stelle implantiert, in der vorher die eigene Linse war, nämlich im Kapselsack. Dies bezeichnet man als Kapselsacklinse. Bei etwa 0.5% aller Operationen kann dieser Kapselsack während der Operation reissen. Die neue Linse kann dann nicht mehr in den Kapselsack implantiert werden. In solchen Fällen muss die Linse vor den Kapselsack (und hinter die Regenbogenhaut) gesetzt werden. Man spricht dann von einer Sulkuslinse.

Diese beiden Linsenpositionierungen bezeichnet man als Hinterkammerlinsen, weil sie hinter der Regenbogenhaut liegen.

In seltenen Fällen kann die Linse nicht hinter die Regenbogenhaut gesetzt werden. In solchen Situationen muss die Linse in die Vorderkammer gesetzt werden. Diese Linsen können an der Regenbogenhaut (Iriscliplinse), oder im Winkel zwischen der Hornhaut und Regenbogenhaut befestigt werden. Diese Linsenpositionierungen werden als Vorderkammerlinsen bezeichnet.

Vorderkammerlinsen sind weniger gut verträglich wie Hinterkammerlinsen. Sie führen über die Jahre hinweg zu einer Schädigung der Rückfläche der Hornhaut (Endothel) und damit zu einer möglichen Trübung der Hornhaut. Diese Linsen werden in der Augenklinik Prof. Reis nur in Ausnahmefällen eingesetzt, wenn sich beispielsweise die Implantation einer Hinterkammerlinse verbietet.

Multifokallinsen

Die menschliche Linse besitzt bis zum 4. Lebensjahrzehnt die Fähigkeit zur Akkommodation. Das bedeutet, dass sie durch die Eigenelastizität in Kombination mit dem Ziliarmuskel fokusieren kann – dies ermöglicht die Nah- und Ferneinstellung der Augen. Da die Linse mit zunehmendem Alter an Elastizität verliert, funktioniert dieser Mechanismus immer schlechter – wir brauchen eine Lesebrille.

Die Kunstlinsen sind ebenfalls wie die Linsen bei Menschen ab dem 4. Lebensjahrzehnt auf einen Fokus eingestellt. In der Augenklinik Prof. Reis wird in Absprache mit den Patienten meist eine Linse mit Ferneinstellung gewählt. Nach der Operation muss – wie vor der Operation zum Lesen eine Lesebrille verwendet werden.

Auf Wunsch des Patienten kann auch eine „Monovisionanpassung“ durchgeführt werden. Dabei wird ein Auge auf die Ferne, das zweite Auge auf den Nahbereich eingestellt. In solchen Fällen kann vor der Operation durch das probatorische Einsetzen einer Kontaktlinse die Verträglichkeit dieser Anpassung getestet werden.

Derzeit sind auf dem Markt auch eine Reihe verschiedener Multifokallinsen erhältlich. Hierbei werden durch einen optischen Trick die Ferne und die Nähe simultan korrigiert. Diese Linsen können also nicht fokussieren, man schaut immer durch dieselbe Einstellung. Dies bedeutet vor allem einen Verlust der Kontrastwahrnehmung.

Selbstverständlich wäre eine Linse, welche bei guter Abbildungsqualität eine gute Fern- und Nahsicht zulässt ideal. Keine der derzeit auf dem Markt erhältlichen Linsen hat diese technische Herausforderung befriedigend gelöst.

In der Augenklinik Prof. Reis kommen diese Linsen nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten zum Einsatz.

Gelbe Linsen

Forschungsarbeiten an Mäusen haben vor einigen Jahren einen Hinweis geliefert, dass der Blauanteil im sichtbaren Licht für die Nervenzellen der Netzhaut belastender ist, als andere Farben. Basierend auf diesen Ergebnissen hat die Industrie gelbe Intraokularlinsen auf den Markt gebracht, die eben dieses blaue Licht blockieren. Die Argumentation für diese Linsen: damit soll die Entwicklung einer Makuladegeneration verhindert werden.

Die Wirksamkeit dieser gelben Linsen wurde bisher noch nicht bewiesen. Derzeit befinden sich einige dieser Linsen in klinischen Studien. Solange kein Beweis für deren Sicherheit und Effektivität vorliegt, werden diese Linsen in der Augenklinik Prof. Reis nicht verwendet.

Refraktive Linsen

Es besteht die Möglichkeit eine Fehlsichtigkeit (Kurz- oder Weitsichtigkeit) mit Linsen zu korrigieren, welche in das Auge eingesetzt werden. Hierbei gibt es drei verschieden Linsenarten:

  • Hinterkammerlinse (ICL, intraokulare Kontaktlinse)
  • Iriscliplinse (Artisan, Verisys)
  • Kammerwinkel-gestützte Vorderkammerlinse

Alle diese Linsen zeigen auch Nachteile. So kann die Hinterkammerlinse durch ihre unmittelbare Nähe zur eigenen Linse eine Linsentrübung (Polstar) bewirken. Die Iriscliplinse und die Kammerwinkel-gestützte Vorderkammerlinsen führen regelmässig zu einer Schädigung der Hornhautrückfläche, sodass nach vielen Jahren mit einer Eintrübung der Hornhaut zu rechnen ist. 

Grundsätzlich ist zur refraktiven Chirurgie zu bemerken: es handelt sich dabei um „Lifestyle“-Operationen. Wie bei jedem operativen Eingriff muss vor der Operation eine Kosten-Nutzen-Berechnung durchgeführt werden:

Was bringt die Operation – was riskiere ich dabei?

Wenn im Falle einer Fehlsichtigkeit die Sehkraft mit Brille oder Kontaktlinse korrigiert werden kann, und die Operation lediglich deshalb durchgeführt wird, damit das lästige Brillentragen aufhört, dann ist dies ein „Lifestyle-Nutzen“. In diesem Falle sollte auch das Risiko ein „Lifestyle-Risiko“ sein. Das ist es aber nicht. Von einem Lifestyle-Risiko kann man sprechen, wenn es im Promille-Bereich liegt. Dass also auf eintausend Operationen mit einer Komplikation gerechnet werden muss.

Die Komplikationsrate der refraktiven Linsenchirurgie liegt wesentlich höher. Neben dem operativen Risiko von etwa 0.5% für alle Linsen kommen die Spätkomplikationen wie Linsentrübung, Makulaödem und Hornhauttrübungen. Da hier unterschiedliche Linsentypen auf dem Markt erhältlich sind und für jede einzelne Linse nur wenige zuverlässige Daten zu Verfügung stehen, kann die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Nebenwirkungen nur geschätzt werden. Sie dürfte aber bei bis zu 25% liegen. Hierbei berufen wir uns auch auf Daten aus den 1970er Jahren, in denen vor allem die Vorderkammerlinsen systematisch getestet wurden.

 

In der Augenklinik Prof. Reis wird deshalb keine refraktive Linsenchirurgie durchgeführt.

„Mit dem ersten Schnitt wird der Kunde zum Patient.“