Der Zucker (Glukose, Traubenzucker) ist eine lebenswichtige Energiequelle für die Zellen unseres Körpers. Unser Gehirn ernährt sich ausschliesslich von Zucker und braucht davon etwa 200mg/Tag. Wir gewinnen Zucker aus den Kohlehydraten, die in unserer täglichen Nahrung enthalten sind. Das Blut transportiert den Zucker zu den Körperzellen. Die Aufgabe von Insulin ist, dass der Zucker aus dem Blut in das Zellinnere gelangt, dass die Körperzellen den Zucker aufnehmen können. Wird dieses Hormon in zu geringer Menge oder überhaupt nicht produziert, kommt der Zucker nicht mehr in die Köperzellen, während der Zuckerspiegel im Blut steigt. Erste Symptome der Erkrankung sind übergroßer Durst und häufiges wasserlassen. Zunächst nicht erkennbar, lagert sich der Zucker im Laufe der Erkrankung in den Blutgefäßen ab. Auch die Blutgefässe der Augen sind davon betroffen. Wir sprechen von der diabetischen Netzhauterkrankung, einer chronischen Durchblutungsstörung der Netzhaut, die das Sehen beeinträchtigen und in fortgeschrittenen Stadien auch zur Erblindung führen kann.

Die Netzhaut, ein Netzwerk aus etwa 130 Millionen Nervenzellen, dient der Lichtwahrnehmung. Sehnervenzellen in der Netzhaut nehmen die Lichtreize auf, die aus der Außenwelt in das Auge gelangen, wandeln sie in elektrische Impulse um und leiten sie zum Gehirn weiter. Diese Umwandlung von Licht in Strom erfordert extrem viel Energie und damit Blut. Die Netzhaut ist das am Besten durchblutete Gewebe im Körper. Für die Ernährung der Netzhaut sorgen ihre Blutgefäße. Wenn es bei der Zuckererkrankung zur Ablagerung von Zucker in diesen Blutgefässen kommt, werden diese zunächst undicht. Es kommt daher zu immer wiederkehrenden Wassereinlagerungen (Ödeme), Fett- und Eiweissablagerungen und auch kleinen Blutungen. Im weiteren Verlauf können die Blutgefässe komplett verstopfen. Die Sehnervenzellen senden dann chemische Botenstoffe aus (unter anderem VEGF) um das Wachstum neuer Blutgefässe zu fördern. Diese neuen Blutgefässe sind aber sehr zerbrechlich, sie können schon bei raschen Augenbewegungen reissen. Dadurch kommt es immer wieder zu schweren Blutungen im Auge.

Das wichtigste bei der Zuckerkrankheit ist der Blutzuckerspiegel. Bei einem gut eingestellten Blutzucker darf man heutzutage auch bei einem jugendlichen Diabetiker davon ausgehen, dass er ein Leben lang keine Zucker-Bedingten Sehstörungen erleiden muss. Anders bei einem schlecht eingestellten Blutzucker: hier kann der Augenarzt nach Herzenslust therapieren: solange andauernd zuviel Zucker in die Augen geschwemmt wird, kann die Zucker-Bedingte Verschlechterung der Sehkraft nicht aufgehalten werden. Bei der Zuckerkrankheit hält der Patient wie bei kaum einer anderen Krankheit das Schicksal seiner Augen in eigenen Händen.

Allgemein gilt der Grundsatz: je früher die diabetische Netzhauterkrankung erkannt wird, und je eher die Behandlung einsetzt, umso besser sind die Erfolgsaussichten. Daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sehr wichtig. Trotz schon bestehender Veränderungen kommt es zunächst zu keiner Beeinträchtigung des Sehvermögens. Auch treten keine Schmerzen auf, da die Netzhaut nur gegen Lichtreize jedoch nicht gegen Schmerzreize empfindlich ist. Grundsätzlich sollten daher nach Entdeckung eines Diabetes mindestens jährliche Kontrollen der Augen durchgeführt werden. In den meisten Fällen kann dann der Augenarzt die Behandlung einleiten, bevor die Sehleistung für den Patienten wahrnehmbar eingeschränkt ist.

Nicht proliferative diabetische Retinopathie

Es werden zwei Formen der diabetischen Retinopathie unterschieden: die nicht proliferative diabetische Retinopathie (NPDR) und die proliferative diabetische Retinopathie (PDR).

Bei der nicht proliferativen diabetischen Retinopathie, welche auch als Hintergrundretinopathie bezeichnet wird, finden sich Veränderungen der Blutgefässe, Ödeme, kleine Blutungen und Ablagerungen von Fettsubstanzen. Da aber bei dieser Form der Netzhauterkrankung der Sauerstoffmangel noch nicht so dramatisch ist, besteht noch keine Neubildung von Blutgefässen.

normaler Befund
diabetische Retinopathie

Die proliferative diabetische Retinopathie

Bei der proliferativen diabetischen Retinopathie (PDR), besteht durch den Zucker-Bedingten Verschluss der Blutgefässe ein derart grosser Sauerstoffmangel in der Netzhaut, dass es zur Bildung neuer Blutgefäße kommt. Diese Blutgefässe haben aber eine sehr schwache Hülle, sodass sie schon bei normalen Augenbewegungen reissen können. Die Blutgefässe wachsen zunächst entlang der Netzhautoberfläche und in späteren Stadien in den Glaskörperraum hinein. Sie sind die Ursache für Blutungen in den Glaskörperraum und im späteren Stadium dann für die Entwicklung von Netzhautablösungen. Unbehandelt führt diese Entwicklung zur Erblindung.<h4stern></h4stern>Behandlung der diabetischen Retinopathie

 

Wie bereits erwähnt, ist das wichtigste bei der Zuckerkrankheit der Blutzuckerspiegel. Bei einem gut eingestellten Blutzucker darf man heutzutage auch bei einem jugendlichen Diabetiker davon ausgehen, dass er ein Leben lang keine Zucker-Bedingten Sehstörungen erleiden muss. Anders bei einem schlecht eingestellten Blutzucker: hier kann der Augenarzt nach Herzenslust therapieren: solange andauernd zuviel Zucker in die Augen geschwemmt wird, kann die Zucker-Bedingte Verschlechterung der Sehkraft nicht aufgehalten werden. Sind bereits diabetische Veränderungen aufgetreten, so muss nicht sofort eine Laserbehandlung oder gar eine Operation durchgeführt werden. Nicht selten kommt es nach besserer Einstellung des Blutzuckers auch zur Rückbildung der krankhaften Veränderungen.

Die Lasertherapie

Wenn sich bereits fortgeschrittene Netzhautveränderungen zeigen, kann mit einer Laserbehandlung in vielen Fällen das weitere Fortschreiten verlangsamt oder auch ein Stillstand der Netzhauterkrankung erreicht werden.

Bei der Lasertherapie - auch Laserkoagulation oder Photokoagulation genannt - werden geschädigte Netzhautbereiche mit energiereichen Laserstrahlen behandelt. Es kommt damit zu punktförmigen Verbrennungen der Netzhaut. Dadurch wird unter anderem die Bildung weiterer Gefässveränderungen unterdrückt und die Durchblutung der nicht behandelten Netzhautareale verbessert.

Die operative Therapie

Bei weit fortgeschrittener Erkrankung mit ausgedehnten Gefäßneubildungen und schweren Blutungen in das Augeninnere kann mit einer Laserbehandlung alleine die Verschlechterung des Sehens nicht aufgehalten werden. In solchen Fällen steht die pars plana Vitrektomie (ppV) zur Verfügung, mit der in den meisten Fällen eine Erblindung verhindert werden kann.

Injektion von VEGF-Hemmern

Die Behandlung mit VEGF-Hemmern ist bereits eine wertvolle Erweiterung der therapeutischen Optionen bei der feuchten Makuladegeneration. Auch bei der diabetischen Retinopathie findet eine krankhafte Neubildung von Blutgefäßen statt. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Medikamente bei der diabetischen Retinopathie ebenso wirksam und sicher einzusetzen sind wie bei der feuchten Makuladegeneration. Allerdings sind die strengen wissenschaftlichen Untersuchungen für diesen Einsatz noch nicht beendet, sodass diese Medikamente zurzeit nur als off-label-Gebrauch angewendet werden können. Wir empfehlen bei anderweitig therapieresistenten Verlaufsformen der diabetischen Retinopathie die Anwendung von VEGF-Hemmern.

 
Fotographien mit freundlicher Genehmigungn Dr. Klein, Duisburg