Die Netzhaut (Retina) ist ein nahezu durchsichtiges Netzwerk aus etwa 120 Millionen Nervenzellen. Die Netzhaut kleidet den Hintergrund des Auges wie eine Tapete aus. Die Netzhaut berührt den Glaskörper, die Gelee-artige Flüssigkeit, welche das Auge ausfüllt. Die Netzhaut wird zur Peripherie hin immer dünner und damit verletzlicher. Dies ist der Grund für das Entstehen von Netzhautlöchern und der Netzhautablösung in der Peripherie (nahe am Äquator). Die Netzhaut liegt auf dem Pigmentepithel und dieses wiederum liegt auf der Aderhaut (Chorioidea). Die Nervenzellen der Netzhaut wandeln Lichtreize über einen biochemischen Prozess in Stromimpulse und leiten diese über Nervenfasern, die sich zum Sehnerven bündeln zum Gehirn.
Löst sich die Netzhaut von ihrer Unterlage, dem Pigmentepithel, so spricht man von einer Netzhautablösung. Dort wo sich die Netzhaut abgelöst hat, werden keine Lichtreize mehr weitergeleitet. Es gibt kleine und ausgedehnte Netzhautablösungen. Die Netzhautablösungen unterscheiden sich auch in der Geschwindigkeit des Fortschreitens. So kann eine Netzhautablösung sich sehr langsam entwickeln und viele Jahre unbemerkt bleiben, sich aber auch innerhalb von Minuten und Stunden zur totalen Netzhautablösung entwickeln. Im Falle einer Netzhautablösung kommt es zu einem Absterben der Nervenzellen, welche nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Netzhautablösungen treten meistens zwischen dem 40. und dem 70. Lebensjahr auf. Die Häufigkeit einer Netzhautablösung kann mit etwa 1/100000 Einwohner/Jahr angeben werden. Wenn jemand mit einer Netzhautablösung in die Augenklinik kommt, besteht meistens eine Kurzsichtigkeit von drei Dioptrien oder mehr. Deshalb kann eine bestehende Kurzsichtigkeit als Risikofaktor für eine Netzhautablösung betrachtet werden.
Der Glaskörper spielt bei der Netzhautablösung eine wichtige Rolle. Der Glaskörper (die Gelee-artige Flüssigkeit im Augeninneren) füllt zum Zeitpunkt der Geburt das Auge aus. Schon während der Kindheit schrumpft der Glaskörper bei den meisten Menschen und hebt sich dabei von der Netzhaut ab (hintere Glaskörperabhebung). Bei manchen Menschen vollzieht sich diese natürliche Abhebung unvollständig oder verzögert. Bei diesen Menschen kann der Glaskörper im Laufe des Lebens an der Netzhaut ziehen. Dieser Zug kann zu Löchern, Einrissen und Blutungen in der Netzhaut führen. Die Netzhaut liegt aber nur durch Unterdruck auf den tieferen Schichten. Im Falle eines Netzhautlochs kann Wasser unter die Netzhaut gelangen – es kommt zu einer Netzhautablösung.
Die meisten Netzhautablösungen werden durch Entstehen eines oder mehrerer Netzhautlöcher verursacht. Typisch und gefährlich ist das Entstehen von Hufeisenlöchern. Hier reißt der Glaskörper ein Loch in die Netzhaut heraus und zieht am Lochdeckel was die Netzhautabhebung begünstigt. Eine Netzhautablösung, welche durch ein Loch in der Netzhaut bedingt ist, nennt man rhegmatogene Ablösung. Die Größe von Löchern hat nichts mit der Ausdehnung einer Netzhautablösung zu tun. So kann ein kleines Loch ebenso wie ein großer Riss eine komplette Netzhautablösung erzeugen.
Es gibt auch andere Ursachen für eine Netzhautablösung wie Entzündungen oder Schrumpfung der Netzhaut, diese kommen aber viel seltener vor.

- Frisches Hufeisenloch mit Netzhautablösung
Symptome einer Netzhautablösung
Eine Netzhautablösung macht sich durch das Auftreten von Lichtphänomenen, meist Lichtblitze (als ob man fotografiert würde), und Trübungen in Form von Russregen oder Schleiersehen bemerkbar. Russregen bedeutet, dass die bei den meisten Menschen vorhandenen „fliegende Mücken“ plötzlich zu Hunderten bemerkt werden. Dieser Russregen kommt von Blutungen aus eingerissenen Blutgefässen der Netzhaut. Als sicheres Vorhandensein einer Ablösung gilt die plötzliche Wahrnehmung eines dunklen Vorhangs vom Rand des Gesichtsfeldes her. Das Entstehen von Netzhautlöchern und auch eine Netzhautablösung selbst, können jedoch zunächst auch völlig symptomlos verlaufen. Dies trifft vor allem bei sich langsam entwickelnden Ablösungen auf. Ebenso bleiben Ablösungen, die sich in der unteren Netzhauthälfte entwickeln lange Zeit unentdeckt, da sie eine Beeinträchtigung des oberen Gesichtfeldes bewirken, welches für uns Menschen nicht so wichtig ist (unser Gesichtsfeld ist durch den oberen Augenhöhlenrand und die Augenbrauen sowieso eingeschränkt). Bei einer kompletten Netzhautablösung nimmt das Auge nur noch Hell und Dunkel wahr. In der Netzhaut gibt es keine schmerempfindlichen Nerven, deshalb verursacht eine Netzhautablösung auch keine Schmerzen. <h4stern></h4stern>Augenärztliche Untersuchungen bei Netzhautablösung
Bei geweiteter Pupille wird die Netzhaut mit einem Ophthalmoskop untersucht. Zusätzlich können mit einem Kontaktglas, welches nach Betäubung der Augenoberfläche auf das Auge aufgesetzt wird die Randbereiche der Netzhaut untersucht werden. Da die Netzhaut weitgehend durchsichtig ist, erscheint die abgelöste Netzhaut milchig. Frische Ablösungen weisen oft ein sogenanntes Sanddünenphänomen und flottierende Beweglichkeit bei Augenbewegungen auf. Nicht selten werden Blutungen in den Glaskörper beobachtet, welche durch eingerissene Blutgefäße verursacht wurden. Ältere Ablösungen zeigen dagegen oft starre Faltenbildungen und Glaskörpertrübungen durch Entzündungszellen (proliferative Vitreoretinopathie, PVR). Bei schlechtem Einblick in das Auge bedingt durch einen grauen Star oder Blutungen im Glaskörper hilft die Ultraschalldiagnostik weiter. Diese Untersuchungsmethode kann jedoch nur einen groben Hinweis für die Erkrankung geben.
Ziel der Behandlung ist es, das Netzhautloch als Ursache der Netzhautablösung zu verschließen, wobei grössere oder mehrere Löcher schwieriger zu behandeln sind als ein kleines Loch. Wurde nur ein Netzhautloch gefunden, bedeutet dies nicht immer, dass nur eines vorhanden ist. Es können sich auch kleine Löcher in Falten oder hinter Trübungen verbergen. Dies führt unter anderem dazu, dass die Erstbehandlung einer Netzhautablösung eine Erfolgsrate von etwa 80% zeigt, nach einem weiteren Eingriff liegt die Erfolgsrate bei circa 95%. Allerdings kann nicht jede Netzhautablösung erfolgreich behandelt werden.
Die Behandlung einer Netzhautablösung
Kleine Netzhautablösungen können ohne Operation versorgt werden, sie werden entweder mit Laserlicht oder mit einem Vereisungsstift verklebt. Bei schon zu weit fortgeschrittener Netzhautablösung ist diese Behandlung nicht mehr möglich, es muss operiert werden.
Plombenoperation
Ziel der chirurgischen Verfahren bei einer Netzhautabklösung ist es, die abgehobene Netzhaut wieder mit den darunter liegenden Schichten in Verbindung zu bringen. Dies kann durch Eindellung des Augapfels mit einer Plombe aus Silikon erreicht werden. Vor der Eindellung wird mit einem Kältestift eine sterile Entzündung erzeugt, welche nach der Eindellung zu einem Verkleben der Netzhaut mit der Aderhaut führt. Wenn mehrere Löcher vorhanden sind kann eine grosse Plombe taillenartig um das Auge geschnürt werden (Cerclage). Dabei wird ein etwa 3 mm breites Silikonband gürtelartig entsprechend der Formation der Löcher um das Auge gelegt. Allerdings haben diese Operationsverfahren ihre Grenzen. Bei sehr großen Rissen, mehreren Löchern oder Schrumpfungen der Netzhaut ist eine Vitrektomie die Methode der Wahl.

- Plombe Eindellung
Pars plana Vitrektomie (ppV)
Bei diesem chirurgischen Verfahren wird die Netzhautablösung vom Augeninneren behandelt. Zunächst wird der Glaskörper weitgehend entfernt, welcher ja ursächlich für das Entstehen einer Netzhautablösung verantwortlich war. Insbesondere werden die Anheftungen des Glaskörpers am Netzhautloch gelöst. Durch das Eingeben einer schweren Flüssigkeit (Perfluorcarbon) kommt es zur Anlage der Netzhaut an die darunter liegende Aderhaut. Danach wird diese Flüssigkeit wieder entfernt, und die Netzhaut durch eine innere Tamponade mit Gas oder Silikonöl fixiert. Auch hier werden die Netzhautlöcher zuvor mit einem Kältestift oder auch einem Laser (Endolaser) behandelt. Die Ergebnisse nach Vitrektomie sind bei der unkomplizierten Netzhautablösung vergleichbar mit den Ergebnissen nach eindellenden Verfahren. Bei komplizierten Netzhautablösungen, welche durch Schrumpfungen der Netzhaut, oder schwierige Lochsituationen definiert sind, ist die Vitrektomie den eindellenden Verfahren aber deutlich überlegen. Häufig werden beide Verfahren kombiniert.
Fotographien mit freundlicher Genehmigung Dr. Klein, Duisburg
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