Der Bezeichnung „optische Täuschungen“ ist eigentlich nicht korrekt. Das Sehen – die Verinnerlichung der äusseren Welt – ist ein sehr komplexer biochemischer Prozess. So wird Licht von Gegenständen, Menschen reflektiert oder von Lichtquellen erzeugt. Diese Lichtwellen gelangen durch Hornhaut und Linse in das Auge und werden hier von den etwa 120 Millionen Nervenzellen der Netzhaut in elektrische Impulse umgewandelt. Bereits in der Netzhaut findet eine Bearbeitung dieser biochemisch erzeugten Stromimpulse statt, wie zum Beispiel Kontrastverstärkung und Anpassung der Sehnervensensitivität an die Umgebungshelligkeit. Nach dieser ersten Verarbeitung werden sekündlich Millionen Stromstösschen von der Netzhaut über die zwei Sehnerven an das Gehirn weitergeleitet. Im Gehirn werden diese Stromimpulse erneute bearbeitet, und die Informationen beider Augen zu einem dreidimensionalen Bild berechnet.

Was wir also meinen von der Welt zu sehen ist im wahrsten Sinne eine Illusion. Es ist alles andere, als ein fotografisches Abbild der Welt. Was wir meinen zu Sehen, das Bild welches wir von der Welt haben, ist das Endergebnis chemischer aber auch psychologischer Vorgänge. In diesem Prozess spielt also die eigentliche Optik nicht unbedingt die Hauptrolle. Vor diesem Hintergrund ist die Bezeichnung „optische Täuschung“, welche wir mit speziellen Anordnungen von Sehreizen hervorrufen können nicht passend. In diesen Situationen wird uns vielmehr bewusst, wie dynamisch und komplex der Sehvorgang ist. Passender wäre für derartige Wahrnehmungen die Bezeichnung „Optische Phänomene“.