Unter der Migräne (aus dem Griechischen: „halber Schädel“) leiden etwa 10% der Menschen in den industrialisierten Ländern. Die Migräne, die bei Frauen etwa dreimal häufiger auftritt als bei Männern und auch schon bei 10% der Kinder vorkommt, präsentiert sich vielgestaltig. Typischerweise kommt es zu periodisch wiederkehrenden, anfallsartigen, halbseitigen Kopfschmerzen. Oft sind diese Halbseitenkopfschmerzen begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht-, oder Geräuschempfindlichkeit.

Bei 15 bis 20% der Patienten geht einem Migräneanfall eine Aura voraus. In der Aura werden meist visuelle Störungen, wie Flimmerskotome, Verlust des räumlichen Sehens und Unschärfe, oder Sensibilitätsstörungen, wie der Verlust der Berührungsempfindung oder Kribbelempfindungen in den Armen, Beinen und im Gesicht, empfunden, die langsam einsetzen und wieder abklingen.

Charakteristisch für die visuelle Aura ist die Dynamik des Prozesses, das „Wandern“ des Flimmerskotoms im Gesichtsfeld. So kann das Skotom in der Mitte des Gesichtsfeldes beginnen und sich innerhalb von einer Stunde nach Außen verlagern. Auch eine Verschiebung der Aurasymptome, beispielsweise von Sehstörungen über Sensibilitätsstörungen bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen kann beobachtet werden. Die Dynamik der Symptome, sowie deren langsames Einsetzen und Abklingen sind ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen neurologischen Erkrankungen, insbesondere gegenüber dem Schlaganfall. Die Aura hat keinerlei schädigende Auswirkungen auf das Hirngewebe, ihre Anzeichen sind lediglich vorübergehend und dauern in der Regel bis zu 60 Minuten.

Zur Erklärung der Ursachen der Migräne stehen drei Modelle zur Verfügung:

  • Die vaskuläre Hypothese
  • Die vaskuläre Hypothese beruht auf der Beobachtung, dass Blutgefässe des Kopfes während eines Migräneanfalls erweitert sind.
  • Die Hypothese: vor dem Migräneanfall kommt es zu einem Zusammenziehen der Blutgefässe, welche den Kopf versorgen. In dieser Phase passiert noch nichts. Irgendwann erweitern sich die Blutgefässe und in dieser Mehrdurchblutung kommt es zum Flimmern, beziehungsweise zum Kopfschmerz.

Der pulsierende Charakter des Migränekopfschmerzes lässt sich am besten mit der vaskulären Hypothese erklären. Gestützt wird sie auch durch die Beobachtung, dass sich je nach Prädisposition durch Blutgefäße erweiternde Substanzen eine Migräne auslösen lässt. Auch die Migränewirksamkeit aller spezifischen Migränetherapeutika, einschließlich der Mutterkornalkaloide und Triptane wird zumindest zum Teil mit einer Kontraktion der Blutgefäße des Kopfes erklärt.

Die Übererregbarkeitshypothese

Die Beobachtung, dass Patienten, die regelmäßig an Migräne leiden, eine erhöhte Erregbarkeit der Hirnrinde zeigen, führte zur Übererregbarkeitshypothese. Diese Übererregbarkeit ist an eine Freisetzung von Kaliumionen in den Extrazellularraum gekoppelt. Kaliumionen führen zu einer Depolarisation, die sich über einen Bereich der Hirnrinde ausbreitet (Streudepolarisation).

In der Therapie der Migräne wird unterschieden zwischen der Prophylaxe, das heisst dem Vorbeugen eines Migräneanfalls und der Behandlung eines akuten Migräneanfalls.

Für Prophylaxe und Therapie stehen genaue Richtlinien verschiedener Neurologischer Gesellschaften zur Verfügung.

Da es sich bei der Migräne um eine neurologische Veränderung handelt, liegt die Therapie der Migräne natürlich in der Hand der Neurologen. Aufgrund der visuellen Wahrnehmungsstörungen im Falle eines Migräneanfalls überschneiden sich aber die Fachgebiete Augenheilkunde und Neurologie.

An dieser Stelle sei eine grosse Auffälligkeit erwähnt. Für die Prophylaxe der Migräne werden von neurologischen Fachgesellschaften eine Reihe verschiedener Medikamente empfohlen, wie Betablocker, Kalziumantagonisten oder Antiepileptika.

Diese Empfehlungen sind sicherlich sinnvoll in besonders hartnäckigen Fällen. Im Gegensatz zu diesen Richtlinien empfehlen wir als Primärprophylaxe der Migräne Magnesium in einer Dosierung von 300mg/Tag. Obwohl lediglich ein Nahrungsergänzungsmittel zeigt Magnesium dennoch eine pharmakologische Wirkung. Magnesium blockiert Endothelin-1, eine Hormon, welches zu einer Kontraktion der Gefässmuskulatur führt. Der positive Effekt von Magnesium unterstützt die vaskuläre Hypothese der Migräne. Magnesium sollte in Form von Dragees oder Tabletten eingenommen werden. Die Darreichungsform als Brause oder Gel wirkt in vielen Fällen abführend.